Der lange Schatten der Revolution

Autorengespräch und Erstvorstellung des Buches zu Juden und Antisemiten in Hitlers München 1918 bis 1923

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde München zum Schauplatz ungewöhnlicher politischer Konstellationen: Kurt Eisner wurde im November 1918 der erste jüdische Ministerpräsident eines deutschen Staates, während jüdische Schriftsteller wie Gustav Landauer, Ernst Toller und Erich Mühsam sich im April 1919 für die Räterepubliken engagierten. Die jüdische Gemeinde war eher konservativ ausgerichtet, und selbst die orthodoxen Mitglieder besuchten nach dem Synagogenbesuch gerne das Hofbräuhaus. Doch Anfang der zwanziger Jahre gab es bereits einen Nazi als Polizeipräsidenten, antijüdische Tendenzen in Politik, Presse und Kirche sowie Judenausweisungen und offene Gewalt gegen jüdische Bürger auf der Straße.

Die »Stadt Hitlers« wie Thomas Mann die spätere »Hauptstadt der Bewegung« bereits im Juli 1923 nannte, wurde zum Ausgangspunkt für den beispiellosen Aufstieg der hier gegründeten nationalsozialistischen Partei.
»Früher hatte die schöne, behagliche Stadt die besten Köpfe des Reiches angezogen. Wie kam es, daß die jetzt fort waren, daß an ihrer Stelle alles, was faul und schlecht war im Reich und sich anderswo nicht halten konnte, magisch angezogen nach München flüchtete?« Lion Feuchtwanger

Referent:

Prof. Dr. Michael Brenner, geboren 1964 in Weiden, ist Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Center for Israel Studies an der American University in Washington, D.C. Er ist Internationaler Präsident des Leo Baeck Instituts und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Buchveröffentlichungen, die in über zehn Sprachen übersetzt wurden, zählen u. a. Jüdische Kultur in der Weimarer Republik und die Kleine jüdische Geschichte.

Datum So 28.04.2019, 20:00 Uhr
Ort Buchhandlung Stangl, Wörthstr. 14, 92637 Weiden
Veranstalter GCJZ, Buchhandlung Stangl, KEB

Hinweis: "Mensch, wo bist du?" - mit dieser biblischen Frage will die diesjährige "Woche der Brüderlichkeit" daran erinnern, dass immer auch der Einzelne gefordert ist, gegen Judenfeindschaft aufzustehen. Ebenfalls am 28. April wird in der Flosser Synagoge um 15 Uhr daran erinnert.

Link zu Google Maps